
Philosophische Praxis
Die zentralen Elemente sind dabei das Gespräch und das gemeinsame Denken.
Die Themen der Gespräche können so vielfältig wie das Leben sein: Zeit, Natur, Wissen, Freundschaft, Gesundheit, Glück, Zukunft, Sinn des Lebens, Verantwortung, Freiheit ... Gemeinsam ist ihnen, dass sie Berührungspunkte mit unserem Leben haben: Mit dem, was uns wichtig ist, was uns - auch unbewusst – nicht loslässt, was die Gedanken beschäftigt und was wir besser verstehen wollen.
Ebenso können philosophische Fachgespräche geführt, philosophische Denkrichtungen und ihre Besonderheiten diskutiert oder das argumentative Vertreten eigener Standpunkte geübt werden.
In der ärztlichen oder psychotherapeutischen Praxis stehen Diagnose und Behandlung im Vordergrund.
In der philosophischen Praxis geht es dagegen um Interessen, Fragestellungen und Probleme, die besprochen, besser verstanden, entschieden oder gelöst werden wollen.
In der ärztlichen oder psychotherapeutischen Praxis stehen Diagnose und Behandlung im Vordergrund.
In der philosophischen Praxis geht es dagegen um Interessen, Fragestellungen und Probleme, die besprochen, besser verstanden, entschieden oder gelöst werden wollen.
Mit Analyse, Argumentation, Diskussion und gedanklichen Perspektivenwechseln kommen Sie im philosophischen Gespräch Ihrer Haltung und Ihren Werten näher. Ziel des Gesprächs ist eine geistige Bereicherung - cognitive gain. Diese hilft Ihnen, Ihre persönliche Entscheidung zu treffen und sie gegenüber anderen begründen und vertreten zu können.
Manchmal ist schon ein Gespräch ausreichend. Manchmal ist etwas Zeit zum Nach-Denken und Überlegen nötig und in der Folge ein weiteres Gespräch sinnvoll. Manche Menschen schätzen das gemeinsame Denken so sehr, dass sie regelmässige Verabredungen einplanen.
Die philosophische Praxis ist keine neue Erfindung. In Deutschland ist sie seit den 1980er Jahren bekannt. Gerd B. Achenbach war dort ein Vorreiter, der den Begriff der philosophischen Praxis geprägt und bis heute viele philosophische Praktiker:innen inspiriert hat.
Der Philosoph Odo Marquard hat Achenbach im entsprechenden Eintrag im Historischen Wörterbuch der Philosophie zitiert:
«Sie ... verordnet keine Philosopheme ..., verabreicht keine philosophische Einsicht, sondern sie setzt das Denken in Bewegung: philosophiert» [6] zusammen mit dem Ratsuchenden – den sie nicht als «Fall» unter vorgegebene Problem- und Lösungsschemata subsumiert, sondern auf den als Individuum sie eingeht – und kann so helfen, indem sie seine Orientierungsblockaden lockert und aufhebt: die «Ph.P. weiß nicht Bescheid, manchmal aber weiter»[7].
Quelle:
Odo Marquard: "Praxis, Philosophische", in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, hrsg. von Joachim Ritter, Karlfried Gründer und Gottfried Gabriel. https://doi.org/10.24894/HWPh.7965.0692
